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	<title>Bloggii &#187; Kultur</title>
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	<description>Die Köpfe von Morgen sprechen schon heute</description>
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		<title>Verwirrende Genialität in &#8220;Der eigene Raum&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 04 Nov 2008 14:12:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anna</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>

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		<description><![CDATA["Der eigene Raum" unter Regie von Kristo Šagor ist ein unglaubliches Stück, es verwirrt zunächst, doch wenn man dann letztlich den Raum verlässt weiß man, dass man was großes gesehen hat. Deswegen ein kurzer Erfahrungsbericht zum Stück von mir.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bochumer Schauspielhaus wird momentan das Stück “Der eigene Raum” unter Regie von Kristo Šagor uraufgeführt. Das Stück spielt Untertage, genau dort, wo der Regisseur Kristo Šagor probeweise für 5 Monate wohnt. Betritt man den Theatersaal fühlt man sich schon halb zuhause, überall Bücher, Betten, sogar Dusche und Toilette sind vorhanden, in der Mitte ein Schreibtisch. Zu beginn ist es vielleicht noch komisch, wenn man sich aus Platzmangel auf einen Stuhl setz, der mit einer Decke versehen ist, dennoch findet man die Atmosphäre schnell sehr privat.<span id="more-48"></span></p>
<p>Das Stück beginnt, und man ist verwirrt, man ist vollkommen verwirrt, so ging es nicht nur mir, aber es ist brillant. Man kann nicht weghören, wenn Christian, die Hauptrolle, als ersten Satz saget: „Ich habe Gott gesehen, er war eine Wolkenformation (…)“ Man ist platt, man weiß nicht ob dieser Mann verrückt, verliebt oder alleine ist. Er berichtet über seinen Vater, wird von seiner Mutter und seinem besten Freund besucht, er wird verlassen und gerade deswegen verletzt er selbst. Doch alles bleibt komisch, letztlich folgt eine blutige Duschszene, die so lächerlich gut ist, dass alle Hitchcockgedanken sofort verfliegen, doch was hat das alles zu bedeuten? Das wird dem Zuschauer erst klar, wenn der die kurze Wiederholung sehen darf, immer zwischen Lachen und Grübeln gefangen, bis er letztlich versteht was dies alles zu bedeuten hat und,  dass letzte Hoffen auf ein Happy End durch einen Jungen und seine Masken zerstört wird.</p>
<p>Wenn all dies für sie wirr und unverständlich klingt, scheinen sie mir, der passende Besucher für dieses Stück zu sein, denn all diese Gefühlsregungen muss der Zuschauer durchleben, um letztlich zu verstehen, welch große Inszenierung er gerade gesehen hat.</p>
<p>Ein kleiner Tipp von mir wäre, unbedingt jemanden mitzunehmen mit dem man anschließend bei einem Kaffee oder ähnlichem mal genau darüber reden kann, worum es in diesem Stück geht, sie werden sicher begeistert sein, wie unterschiedlich die Meinungen sind.</p>
<div><span style="x-small;">(Würde mich freuen Anregungen und Meinungen zu dem Stück freuen. Einfach einen Kommentar hinterlassen.)</span></div>
<div><span style="x-small;"> </span></div>
<p><span style="x-small;"> </span></p>
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		<title>Ein kleiner sehr persönlicher Beitrag zum Verhalten Marcel Reich-Ranickis bei der Verleihung des &#8220;Deutschen Fernsehpreises&#8221;</title>
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		<pubDate>Wed, 22 Oct 2008 21:01:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anna</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[TV]]></category>

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		<description><![CDATA[Für alle, die es geschafft haben sollten sich dem Rummel, um Marcel Reich-Ranickis Rede beim &#8220;Deutschen Fernsehpreis&#8221; zu entziehen, hier noch mal eine kurze Zusammenfassung:
Herr Ranicki sollte für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden. Der Laudator war Thomas Gottschalk, der es in gewohnter Manier nicht lassen konnte zumindest Zeitweise, die Sprechart des Preisträgers zu imitieren, nachdem er durch [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Für alle, die es geschafft haben sollten sich dem Rummel, um Marcel Reich-Ranickis Rede beim &#8220;Deutschen Fernsehpreis&#8221; zu entziehen, hier noch mal eine kurze Zusammenfassung:</p>
<p>Herr Ranicki sollte für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden. Der Laudator war Thomas Gottschalk, der es in gewohnter Manier nicht lassen konnte zumindest Zeitweise, die Sprechart des Preisträgers zu imitieren, nachdem er durch eine meiner Meinung nach ehr mäßige Sendung geleitet hat. Es wurden erst kurz zuvor Formate wie: “Ausreißer- Der Weg zurück” und “DSDS” ausgezeichnet.</p>
<p>Kein Wunder, dass sich der 88-jährige Publizist zumindest Teilweise von stupidem Blödsinn unterhalten fühlen musste.<span id="more-47"></span></p>
<p>Nachdem ihm dann von Herrn Gottschalk auf die Bühne geholfen wurde, wurde er zunächst missverstanden. Er sagte sinngemäß, dass es ihm sonst immer leicht gefallen sei, sich für Preise zu bedanken. Dies wurde vom Publikum sicher als kleine Kauzigkeit bewertet, da dieses begann zu lächeln, doch Herr Ranicki klärte dieses Missverständnis schnell auf.</p>
<p>Er wurde nach eigenen Aussagen darauf hingewiesen nicht zu “hart” sein zu sollen, und er beteuerte niemanden verletzten oder kränken zu wollen, jedoch nehme er diesen Preis nicht an.</p>
<p>Er machte auch darauf Aufmerksam, dass er durchaus weiß, dass er dies früher hätte bekannt geben sollen, aber er hätte nicht gewusst wo er sich drauf einlasse.</p>
<p>Er wolle diesen Preis von sich werfen, verkündete er, und er war schockiert, was er beim “Deutschen Fernsehpreis” alles erleben musste.</p>
<p>Er bezeichnete das meiste was dort ausgezeichnet würde als “Blödsinn” und machte Werbung für Arte, wo es zwar Unterhaltung gebe, aber kulturelle.´</p>
<p>Um die Situation zu entschärfen kam Thomas Gottschalk später hinzu, und verhandelte mit ZDF; ARD und sogar RTL um einen Sendeplatz für einen literarischen Gedankenaustausch zwischen ihm und Herrn Ranicki, was auch durch nicken, gebilligt wurde. Letztlich bot Herr Ranicki nach einer äußerst schönen Erzählung Herrn Gottschalk sogar das “Du” an., und verließ die Bühne, ohne sich des Fernsehpreises anzunehmen.</p>
<p>Als er die Bühne verließ bekam er “Standig ovations-” was den interessierten Zuschauer sicher zum Lachen animiert haben muss. Meiner Meinung nach war dass eine wunderbare Szene, erst ließen sie sich, zumindest die meisten, als Macher eines dummen Fernsehens beschimpfen, meist wohl leider auch zu recht, um diesem herrlich unterhaltsamen und gebildeten Mann dann applaudierend zu verabschieden. Für mich persönlich ein herrlicher Moment, aber zugleich war es auch äußerst traurig, wie sehr sich die anwesende Gesellschaft selbst karikiert hat.</p>
<p>Aus dem von mir ersehnten literarischen “Talk” wurde dann ehr ein Frontalgespräch zwischen Gottschalk und Herrn Ranicki, über das Thema: “Lieber Herr Ranicki, das Publikum ist dumm, es versteht keine Literatur, die kulturelle Avantgarde grenzt sich ab, das Programm bleibtwie es ist, ätsch”. Wobei Thomas Gottschalk stark betonte, dass die Zielgruppe, zu der ich mit meinen 19 Jahren auch zu zählen scheine, größten Teils schlich und einfach zu “dumm” für literarisches Fernsehen sei. Verzeihen sie mir, dass ich dass so deutlich sagen muss, aber ich fühlte mich schlicht und einfach vollkommen verarscht. Ich als junger Mensch, der durchaus gerne das Arte-Programm schaut, wie andere auch, und sowohl Schiller, Brecht; Goethe als auch Shakespeare lese, scheine Zielgruppenspezifisch definitiv für zu dumm gehalten zu werden, um einer Oper von Verdi zu folgen? Oder meine Freunde, die in der Schule “Romeo and Juliet” in der Originalsprache lesen, verstehen und analysieren sind zu dumm dafür? Ich glaube ehr, dass deutsche Fernsehmacher nicht mehr in der Lage sind literarische Texte gut zu inszenieren. Und im weiteren sind Mittagstalkshows einfach leichter zu machen, also warum Literatur verfilmen, wenn es auch anders geht?</p>
<p>Ich denke immer gerne an die “Kabale und Liebe” Inszenierung unter der Regie von Leander Haußmann zurück. Selten habe ich eine deutsche Produktion mit so vielen brillanten Schauspielern gesehen, die trotz eines klassischen Stoffs doch so spannend und aufregend ist. Oder auch die Luhman-Version von „Romeo und Julia“ zwar eine amerikanische Inszenierung, aber sie bringt jungen Menschen den Stoff näher und ist doch äußerst unterhaltsam.</p>
<p>Also, ich finde solche Äußerungen haltlos und beleidigend.</p>
<p>Und sowohl Herrn Ranicki als auch mir, ist klar, dass pure Unterhaltungsshows nicht vollkommen aus dem Fernsehen verschwinden werden, aber das Verhältnis zwischen kultureller und unkultureller Unterhaltung sollte geändert werden.</p>
<p>Am lustigsten finde ich, dass die Presse sich darauf zu einigen scheint, dass dieser kulturell gebildete Mann nicht die Zielgruppe sei, aber er ist mit seiner Meinung wirklich nicht alleine. Ich kenne viele Menschen, die jünger sind als er, sogar viel jünger, und die ein wenig Kultur im Fernsehen doch sehr wünschenswert finden. Und diese Kultur sollte beispielsweise nicht zu unmöglichen Sendezeiten, an Freitagabenden um 0:30 laufen.</p>
<p>Und eine Wiederbelebung des literarischen Quartetts, vielleicht nicht unbedingt mehr mit Herrn Ranicki, fände ich äußerst wünschenswert. Aber genug von meiner eigenen Meinung, machen sie das Fernsehen an, schalten sie durch und suche sie nach Kultur, sie könnten Glück haben!</p>
<p>(ps.: Die Rede ist jederzeit bei YouTube abrufbar ^^)</p>
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		<title>13 &#8211; Tzameti</title>
		<link>http://bloggii.de/13-tzameti/</link>
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		<pubDate>Sat, 17 May 2008 23:10:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Mikheil</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[13 Tzameti]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[ცამეტი]]></category>

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		<description><![CDATA[ცამეტი (bedeutet &#8220;dreizehn&#8221; auf georgisch)
Tzameti ist ein Film von Gela Babluani, der von dem Einwanderer Sébastien (gespielt von George Babluani &#8211; Bruder des Regisseurs) handelt. Der junge Einwanderer kommt aus ärmlichen Verhältnissen und schlägt sich durchs Leben. Er arbeitet z.B. als Dachdecker bei einem Junkie. Als dieser an einer Überdosis stirbt, sieht er keine Chance [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>ცამეტი (bedeutet &#8220;dreizehn&#8221; auf georgisch)</h2>
<p><a href="http://www.13-tzameti.de/">Tzameti</a> ist ein Film von Gela Babluani, der von dem Einwanderer Sébastien (gespielt von George Babluani &#8211; Bruder des Regisseurs) handelt. Der junge Einwanderer kommt aus ärmlichen Verhältnissen und schlägt sich durchs Leben. Er arbeitet z.B. als Dachdecker bei einem Junkie. Als dieser an einer Überdosis stirbt, sieht er keine Chance Geld für die getane Arbeit zu bekommen.<!--[if gte vml 1]> <![endif]--><img title="Weiterlesen..." src="http://bloggii.de/redaktion/wp-includes/js/tinymce/plugins/wordpress/img/trans.gif" border="0" alt="" width="1" height="1" /><span id="more-21"></span></p>
<p>Aus reinem Zufall kommt Sébastien ein Brief zugeflattert, als er hoffungslos seine Werkzeuge einpackt. Dieser Brief war eigentlich an den Junkie gerichtet und soll zum Reichtum verhelfen, aber wie, weiß weder Sébastien noch der Zuschauer.</p>
<p>Der Film ist nicht brutal aber trotzdem nichts für schwache Nerven. Er ist in schwarzweiß gedreht. Man trifft keine Hollywood Effekte oder sonstige technischen Spielereien an. Alles ist sehr schlicht gehalten. Die Kameraführung und der Schnitt erinnern an nichts, was man aus dem Fernsehen kennt. Es ist etwas Neues und Frisches aber zugleich seltsam ungewohnt. Dieser Film ist allen Filmliebhabern zu empfehlen, die mehr als nur reine Unterhaltung suchen, allerdings kommt dieser auch nicht zu kurz für (Psycho) Thriller Fans.</p>
<p>Tzameti wurde bisher mit positiver Kritik überhäuft. Der Film ist ca. drei Jahre alt, ist aber erst dieses Jahr seit dem 13. März in den deutschen Kinos zu sehen.</p>
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		<title>&#8220;Die Verwirrung des Zöglings Törleß&#8221; und der Nationalsozialismus</title>
		<link>http://bloggii.de/die-verwirrung-des-zoglings-torles-und-der-nationalsozialismus/</link>
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		<pubDate>Wed, 07 May 2008 12:27:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anna</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Buchkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Die Verwirrung des Zöglings Törleß]]></category>
		<category><![CDATA[Schule]]></category>

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		<description><![CDATA[Warum die Anwendung des Romans “Die Verwirrung des Zöglings Törleß” von Musil auf den Nationalsozialismus besondere Bedeutung hat
Der Roman” Die Verwirrung des Zöglings Törleß” wurde vom Österreicher Robert Musil bereits 1906, also mehr als 30 Jahre vor Beginn des zweiten Weltkrieges publiziert, dennoch ist eine Verbindung zu faschistischen Systemen, besonders dem Nationalsozialismus, nicht zu bestreiten.
Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Warum die Anwendung des Romans “Die Verwirrung des Zöglings Törleß” von Musil auf den Nationalsozialismus besondere Bedeutung hat</h2>
<p>Der Roman” Die Verwirrung des Zöglings Törleß” wurde vom Österreicher Robert Musil bereits 1906, also mehr als 30 Jahre vor Beginn des zweiten Weltkrieges publiziert, dennoch ist eine Verbindung zu faschistischen Systemen, besonders dem Nationalsozialismus, nicht zu bestreiten.<span id="more-19"></span></p>
<p>Die lässt sich an mehreren Punkten belegen.</p>
<p>Ein wichtiger Punkt des Nationalsozialismus ist eine Ideologie, die auf Feindlichkeit gegenüber einer Gruppe der Gesellschaft gegründet ist. Dies findet sich in der buddhistisch angehauchten Esoterik des Beineberg. Beineberg erschafft sein “Feindbild” aber nicht nach religiösen Leitmotiven, zur Selektierung und Bevorzugung einer arischen Rasse, sondern gegenüber einer anderen unterdrückten Minderheit, den sozial Schwachen. Basini, das Opfer von Beineberg und Reiting, gehört zu den ärmeren Zöglingen des Instituts. Er ist ein, aufgrund der finanziellen Lage seiner Eltern, verachteter Träumer. Ein kleiner Fehltritt Basinis, der unter anderen Umständen kaum der Rede wert gewesen wäre, macht ihn, in Beinebergs Augen, zu einem niedrigen Geschöpf. “Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass so ein Mensch in dem wundervollen Mechanismus der Welt irgend etwas bedeuten soll”, (Seite 78) lässt Musil seinen Charakter Beineberg über Basini sagen. Bereits dies erinnert stark an eine Selektierung in “wertes” und “unwertes” Leben, eine Selektierung des Todes, die zu Zeiten des Nationalsozialismus allgegenwärtig war. Doch Beineberg geht noch weiter: “Bei einem Menschen legt sich diese Härte in seinen Charakter, in sein Bewusstsein als Mensch, in sein Verantwortlichkeitsgefühl, ein Teil der Weltseele zu sein. Verliert nun ein Mensch dieses Bewusstsein, so verliert er sich selbst (…) Und niemals kann man so sicher sein als in diesem Falle, daß man es mit etwas Unnotwendigem zu tun habe, mit einer leeren Form, mit etwas, das von der Weltseele schon längst verlassen wurde” (Seite 78/9) Ein Satz der die Vernichtung “unwerten” Lebens mehr als deutlich nahe legt. Denn selektiert man in Beinebergs Schema, so gibt es Menschen zweierlei Klassen, und der einen, von der “Weltseele” verlassenen Klasse, kann nicht mehr geholfen werden. Zwar führt Beineberg diesen Gedanken noch nicht zu Ende, wie sollte man Musil auch einen so kranken Gedankengang zutrauen, wie den, der Teil des Nationalsozialismus war? Auch die Reaktion Törleß´ mahnt einen an das Verhalten vieler Deutscher im Nationalsozialismus: “Törleß fühlte keinen Widerspruch. Er hörte auch gar nicht mit Aufmerksamkeit zu.” (Seite 79), ein Verhalten, dass eine nationalsozialistische Diktatur nur möglich macht, ein stupides Berieseln lassen, ohne an Konsequenzen und Auswirkungen für andere zu denken, das an Desinteresse grenzt, solange man sich selber im Sicheren wähnt.</p>
<p>Auch in Beinebergs abscheulichem “Hypnose-Experiment” zeichnen sich Gräueltaten des Nationalsozialismus ab. Mit welcher Gelassenheit Beineberg zu Basini sagt:” … wenn du alles befolgst, was ich dir sage, soll dir kein Leid geschehen; wie du mich aber durch den geringsten Widerspruch störst, schieße ich dich nieder. Merk dir das! Ich werde allerdings auch so töten, aber du wirst wieder zum Leben zurückkommen.” (Seite 171) Eine Aussage, die den puren Wahnsinn eines Fanatismus in skurrilster Form erscheinen lässt und doch dem Nationalsozialismus so nahe ist. Denn auch zu dieser Zeit führten Nazis Versuche an Juden durch, die fernab jeglichen Humanismus, den Tod der Juden nicht nur billigte, sonder begrüßte. So ist das Schießen auf Basini für Beineberg doch so leicht, wie das Schießen auf einen Juden für einen Nazi, da beide, durch absurde Ideologien, frei von jeglicher Menschenwürde erschienen.</p>
<p>Es wird nun Kritiker dieser Theorie geben,. die sagen, dass das Opfer Basini kein Jude sei, aber dieses Argument lässt sich leicht ins Gegenteil verkehren. Denn untersuchen wir de Roman genau, stellen wir fest, dass es sich um eine “judenbereinigte” Gesellschaft handelt. Sicherlich war es nicht tagtäglich, dass Juden, zu dieser bereits faschistisch geprägten Zeit in elitären Institutionen ausgebildet wurden, aber, dass das Judentum so gänzlich verbannt erscheint ist auffällig. Bedenkt man die Zeit der Entstehung, muss man sagen, dass in anderen Roman Juden eine wichtige Rolle spielen. Musils Zeitgenosse Schnitzler, der auch Österreicher war und im weiteren Jude, zum Beispiel, lässt die Unbeliebtheit und Vorurteile gegenüber Juden immer wieder in seine Romane und Erzählungen einfließen.</p>
<p>Doch nicht nur der ideologische Fanatiker Beineberg und der Mitläufer Törleß, der sich zumindest zu Beginn des Romans als ein solcher präsentiert, zeigen Aspekte des Nationalsozialismus auf, sondern auch Reiting.</p>
<p>Reiting ist ein Intrigant, der sogar in der Lage ist Beineberg gefährlich zu werden (Seite 79). Er ist in der Lage die Massen auf seine Seite zu ziehen, was ihm durch sein Charisma leicht gelingt. Erinnert dieses Bild eines charismatischen Führers, der Massen auf Grund seiner puren Anwesenheit in Ekstase bringen kann nicht stark an das publizierte Führerbild des “Dritten Reiches” in Form von Hitler, das durch die Propaganda von “Göbels” nur noch medienwirksamer wurde?</p>
<p>Auch das Konvikt erinnert, in seiner strengen und stark durchgeplanten Art, an den nationalsozialistischen Staat. (Seite 29f.) Alles ist stupide geplant, jeder muss einen Berg von Arbeiten bewältigen, muss den Lehrplan befolgen, der fast ausschließlich auf eine militärische Laufbahn hinführt. Das Institut schafft also menschliche Kampfmaschinen, die ohne großes Überlegen, Zweifeln und Widerstreben bereit sind “Feinde” auszuschalten. Das Konvikt ist der erste Baustein einer Maschinerie des Tötens und jeder junge Mann, der sich zu der Elite zählen will, ist bestrebt in dieser Maschinerie zu Ruhm und Ehren zu gelangen. Ähnlich wie alle jungen Männer zu Zeiten des “Dritten Reiches” von klein auf gelernt haben, dass der Militärdienst, das Sterben für das Vaterland, Ruhm und Ehre bedeutet. Nur so bewegt man junge hoffnungsvolle Menschen dazu, ihr Leben für den niedrigen Zweck des Tötens zu opfern.</p>
<p>Vielleicht lassen sich viele dieser Prinzipien auf andere faschistische Systeme anwenden, wie den Kommunismus, aber man bedenke dabei, dass der Roman von einem Österreicher geschrieben wurde, der auch in Deutschland lebte. Somit beziehen sich alle gesellschaftlichen Studien, die Musil hauptsächlich anhand von Reiting, Beineberg und Törleß verdeutlicht, auf eine deutsch-österreicherische Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die wenige Jahrzehnte später einem Faschismus verfallen wird, der wie alle Faschismen Brutalitäten zutage brachte, die zwar nicht unbedingt grausamer sind als andere, aber immer gesellschaftsspezifisch, bedenkt man zum Beispiel die unglaubliche Genauigkeit bei der Auflistung der von Juden entwendeten Güter.</p>
<p>Alles in allem spricht die Vielzahl der Aspekte, die einen Bezug zum Nationalsozialismus haben, doch dafür, dass dieser Roman zumindest dazu anregen kann, an das “Dritte Reich” zu denken, auch wenn es den Missbrauch von Gewalt in einem faschistischen System natürlich auch im Allgemeinen zeigt.<br />
(Die Seitenangaben folgen der 59.Auflage des Rowohlt Taschenbuch Verlages, welches im Februar 2008 veröffentlicht wurde)</p>
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		<title>Ein futuristischer Überlebenskampf</title>
		<link>http://bloggii.de/ein-futuristischer-uberlebenskampf/</link>
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		<pubDate>Thu, 17 Apr 2008 12:23:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anna</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Bildung]]></category>
		<category><![CDATA[Freizeit]]></category>

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		<description><![CDATA[Im Bochumer Schauspielhaus wird momentan das Stück “Bevor wir gehen&#8221; von Kristo Šagor aufgeführt. Es handelt sich um eine apokalyptische Vorstellung und den damit verbundenen Überlebenskampf.
Über die Welt ist eine Eiszeit eingebrochen, die wohl einzig überlebenden befinden sich zusammen in einem Kaufhaus, in dem die einzige Regel “Der stärkere Gewinnt” ist.
Es ist wunderbar und zugleich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Im Bochumer Schauspielhaus wird momentan das Stück “<a href="http://www.schauspielhausbochum.de/spielplan/detail.php?id_event_date=3421134&amp;bereich=spielplan&amp;subbereich=spielplan&amp;sub=detail&amp;id_language=1">Bevor wir gehen</a>&#8221; von Kristo Šagor aufgeführt. Es handelt sich um eine apokalyptische Vorstellung und den damit verbundenen Überlebenskampf.<span id="more-10"></span></p>
<p>Über die Welt ist eine Eiszeit eingebrochen, die wohl einzig überlebenden befinden sich zusammen in einem Kaufhaus, in dem die einzige Regel “Der stärkere Gewinnt” ist.</p>
<p>Es ist wunderbar und zugleich entsetzlich zu sehen, wie verschiedene Charaktere mit dieser Schocksituation umgehen, wie sie ihr Leben mit knappen Lebensmittelressourcen überstehen, sich viele selbst die Nächsten sind, um letztlich doch zu sterben.</p>
<p>Besonders beeindruckend ist, dass dieses Stück vom jungen Ensemble aufgeführt wird, also von Schülern und Studenten, die in der Lage sind in kürzester Zeit die Gefühle Verzweiflung, Liebe, Wahnsinn und Angst auf eine Bühne zu bringen.</p>
<p>Aufgeführt wird das Stück im Theater unter Tage, sodass der Zuschauer sich nicht nur durch die spannende Geschichte, sondern auch noch durch die nähe zur Bühne in das Stück involviert fühlt.</p>
<p>Jedoch muss man sagen, dass das Stück nichts für schwache Nerven und empfindliche Seelen und Gehöre ist.</p>
<p>Letztlich lässt sich sagen, dass der Besuch dieses Stückes ein „Muss“ für alle Kulturliebhaber ist, die bereit sind einen Schritt weiter zu gehen als üblich.</p>
<p>Also beide Daumen Hoch für „Bevor wir gehen„!</p>
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