Ich fühle mich dreckig – Georgienkrise
Ich fühle mich dreckig, weil ich hier sitze und in Sicherheit bin. Ich fühle mich schmutzig, weil ich merke, dass ich mir Zeit nehmen kann um mich mehr oder weniger zu entspannen und ein normales Leben zu führen, wenn ein dunkler Schatten über ganz Georgien liegt.
Der Friedensplan wurde unterzeichnet, aber der Frieden hält wohl nicht lange. Die nicht in der Konfliktzone liegenden Gebiete Gori, Zugdidi, Kodori, Senaki, (Gali) wurden geplündert. Die Menschen sind geflohen. In vielen Gebieten fliehen diese nicht zum ersten Mal. Die schreckliche Geschichte wiederholt sich. Die Menschen die blieben oder bleiben mussten, denen ist eventuell ein schreckliches Schicksal wiederfahren oder auch nicht, wenn sie Glück hatten. Meine Befürchtungen, dass Gräueltaten begangen werden könnten, haben sich leider bestätigt. Es sind viele Tausende Soldaten aus verschiedenen Ländern in Georgien zurzeit, die kein Mensch kontrollieren kann und die sich auf die “Beute” freuen. Die abchasische Armee ist nur noch ein Haufen, der tut, was er will, also rauben und weitaus schlimmeres. Die russische Armee lässt es gerne geschehen oder mischt gerne mit. Genauere Informationen bekomme ich erst in den nächsten Tagen. ![]()
Es soll 100 000 Flüchtlinge in Georgien geben, die dringend Hilfe brauchen. Meine Familie und Verwandte werden in den nächsten Tagen einem Freund Geld nach Georgien mitgeben, der dieses dann an die entsprechenden Hilfsorganisationen oder direkt an die Krankenhäuser weitergibt. Russland hilft nur den Osseten, lässt aber weder in der Konfliktzone noch davor internationale humanitäre Hilfe zu, indem kein sicherer Korridor garantiert wird. Georgier ist Russland egal, bei Oseten muss es sich aber als Freund und Helfer präsentieren und dies kann man am besten, wenn man allein hilft… Sonst sind Russland auch Oseetier egal!
Die russischen Medien arbeiten weiterhin kräftig daran Georgier als Monster darzustellen. Das russische Volk soll Georgien samt mit seinen Einwohnern hassen. Diesen Medien kann man aber leider nichts glauben. In Russland existiert keine Pressefreiheit, wer etwas gegen die Regierung sagt, läuft ernsthaft Gefahr sich vom Leben zu verabschieden. Putin hat es an zahlreichen Fällen erfolgreich vorgeführt. Deswegen kann ich die allgemeine Situation verstehen, wenn auch nicht das, was die einzelnen Reporter tun.
Es gibt aber auch positive Nachrichten; 50 russische Journalisten sollen eine Petition, trotz des staatlichen Drucks, unterschieben haben, dass die derzeitige Berichterstattung in der Form nicht stattfinden darf.
Ich möchte kurz hier nochmal unterstreichen, dass meine anti-Russland Haltung keine anti-russische Haltung ist. Das Volk kann nichts zu dem Krieg. Kein Mensch will Krieg. Natürlich gibt es dumme Ausnahmen, aber die gibt es überall. Dass das Volk aber hinter dem Präsidenten steht kann ich in Hinblick auf die ausgezeichnete Propaganda nachvollziehen. Das sind die Tricks der Sowjet Union. In Russland herrscht eine Politik, der alles egal ist, außer Machtdemonstration. Eventuell erinnert sich Jemand, dass mal Terroristen ein Theater in Moskau besetzt hatten. Daraufhin ließ die Regierung die Terroristen samt den Zivilisten mit einem gesundheitsschädlichen bzw. in einigen Fällen sogar tödlichen Gas „außer Gefecht setzen”. Aufgrund dieses Vorfalls kamen zahlreiche Unschuldige ums Leben oder litten dauerhaft an schweren gesundheitlichen Schäden. Solch eine Regierung muss skrupellos sein.
Kurze Info: Eine Journalistin wurde in Gori von einem Scharfschützen verletzt, auf einem Territorium, das ursprünglich nicht in der Konfliktzone liegt. Auch andere Journalisten wurden beschossen oder getötet.
Geschrieben von Mikheil am 15. August 2008 | Veröffentlicht in Fremde Länder