Berichtersttatung über den Georgienkrieg – die russische Propaganda
Teilweise ist die Berichterstattung sehr zweifelhaft. Wenn ich die Situation für einen Augenblick schildern darf:
Aus Tskhinvali wurden vor ca. 10 Jahren zehntausende Georgier vertrieben, so dass der größte Teil der Bevölkerung aus Nicht-Georgiern besteht, zu mindestens in der Stadt. Nun, wenn sich ein Konflikt zwischen der russischen Armee, die im ganzen Gebiet (auch in der Stadt) stationiert ist und der georgischen Armee ausbricht, dann geraten leider, wie in jedem modernen Krieg, Zivilsten dazwischen. Wenn man sich dann ausrechnet, dass diese Gebiete von Russland kontrolliert werden und auch die Menschen (seit ca. 15 Jahren) mit russischem Fernsehen versorgt werden, dann ist es nicht schwer vorstellbar, dass den Menschen leicht ein Feindbild beigebracht werden kann. Wenn man diesen Menschen erzählt, dass das Ziel der gegnerischen Armee war, sie zu vernichten, dann glauben sie es sehr leicht. Für eine verzweifelte Mutter, deren junger Sohn sich im Krieg gegen Georgien befindet, während sie sich in einem russischen Flüchtlingslager aufhält, ist die Sachlage mehr als klar, Georgien will sie und ihre Mitmenschen vernichten. Ein Mensch, in dieser Situation ist zu keinen komplexen Gedankengängen und zur Analyse einer mindestens Jahrzehnten alten politischen Konflikts in der Lage. Der Mensch begreift nicht, dass es nicht um ihn geht. Der Mensch denkt einfach, will überleben und braucht ein klares Feindbild.
Wenn man nun einen deutschen Reporter in das osetisch russische Flüchtlingslager schickt, wobei sich die russische Seite gegen diese Reportage sicherlich nicht wehrt (weil die armen Menschen und deren Feindbilder in deren Propaganda passen), dann ist das dargestellte Bild mehr als klar. So wurde heute, vor wenigen Stunden ein Interview aus dem Flüchtlingslager auf einem deutschen Sender gezeigt.
Eigentlich spricht nichts dagegen, jedoch habe ich einige Bedenken dabei. Wenn man schon dabei ist, ein Interview zu zeigen, dass ein ganzes Volk des Völkermords beschuldigt wird. Wieso zeigt man dann nicht die Georgier, die zu Tausenden getötet und vertrieben werden (gestern, die Tage davor und heute). Russland hat keinen Waffenstillstand unterzeichnet, sondern erstmals Ruhe versprochen, wobei jedoch in Abchasien, im Kodori Gebiet, wo nach der ersten Vertreibung in den 90 Jahren wieder einige Tausende Georgier angesiedelt waren, immer noch Krieg tobt. Was glaubt ihr, was mit diesen Menschen passiert? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass eine Armee voller wilder Soldaten der russischen Föderation aus den verschiedensten Regionen mit verschiedensten Nationen darauf warten zu morden. Dabei muss man ebenfalls bedenken, dass sich die russische Armee wesentlich von der westlichen Armee unterscheidet.
Ich hoffe, dass es irgendwie glimpfig ausgehen kann. Man sollte aber wenigstens versuchen, an die Opfer der anderen Seite ranzukommen. Und sollte das die russische Seite verwehren, dann kann man doch nicht, ungeachtet davon, einfach das Material zeigen, dass der russischen Seite in ihre Propaganda passt. Denn dann betreibt man ebenfalls Propaganda, wenn man nur deren ausgewählte Bilder zeigt.
Geschrieben von Mikheil am 12. August 2008 | Veröffentlicht in Fremde Länder